27 Juli 2009

hannover linden




Indien hat unglaublich viele Gesichter. Traurig machte uns immer wieder die Armut, welche wir auf dem Land genauso sahen wie in den Städten. Viele Menschen leben auf den Straßen oder in Baracken. Überall begegneten uns kleine Kinder, alte Menschen und Menschen mit schlimmen Behinderungen, denen nichts übrig blieb als sich ihr Überleben zu erbetteln. Zusätzlich scheint Indien Stück für Stück unter seinem Müll begraben zu werden. Es gibt kein funktionierendes Entsorgungssystem. Das bedeutet, der Abfall liegt einfach überall herum. In den Zügen gibt es keine Papierkörbe, weil es auch niemanden gibt, der sie ausleeren würde. Auch auf den Bahnhöfen und auf den Straßen gibt es keine Behälter für Müll. Im Zug schmeißt jeder seinen Abfall, egal ob Essensreste oder Plastikflaschen, aus dem Fenster. Auf dem Bahnhof liegt der Müll auf den Gleisen und in den Wohngebieten vor den Häusern und auf sämtlichen unbebauten Plätzen. Unzählige Kühe, Wildschweine und Hunde suchen in diesem Müll nach Essbarem. Natürlich gibt es auch in Indien saubere Bereiche, aber davon profitieren nur Touristen und die wenigen Reichen des Landes.
Besonders auf den Zugfahrten, aber auch sonst, kamen mit vielen Indern ins Gespräch. Alle, aber auch wirklich alle Inder waren überaus freundlich und über die Maßen hilfsbereit. Immer wieder haben uns Familien gebeten ihr Essen mit ihnen zu teilen. Niemals war jemand genervt, wenn wir nach dem Weg fragten oder nachfragen mussten weil wir etwas nicht verstanden hatten. Jeder war interessiert daran woher wir kommen, wie wir in Deutschland leben und wie uns Indien gefällt. Wir wurden von allen wie Freunde behandelt, und definitiv nicht nur von den Menschen, die durch uns Geld verdienten. Indien hat ein sehr großes offenes Herz, und das macht es umso schlimmer zu sehen unter welchen Bedingungen die meisten dieser lieben Menschen leben.
Als wir in Mumbai vor dem abgeriegelten Taj Mahal Hotel standen, hatten wir beide die schrecklichen Bilder aus dem letzten Jahr vor Augen.
Gleich neben dem Hotel steht das beeindruckende Gateway of India, unter dem sich viele Einheimische zum Picknick treffen. Auch der Stadtstrand, der Chowpatty Beach, wird ausgiebig von den Bewohnern Mumbais genutzt. Wir waren zum Sonnenuntergang dort und begeistert von dem bunten Treiben.
Nachdem wir uns im Laufe der ersten Tage entschieden hatten in den Süden zu fahren, buchten wir ein Zugticket nach Goa. Uns war klar, dass wir mit dem Monsun reisen würden, aber gerade das reizte uns. In Palolem wohnten wir aufgrund der Regenzeit extrem günstig in einem tollen Hotel mit junger, sehr netter Belegschaft. Zeitweilig waren wir die einzigen Gäste. Tagsüber entspannten wir am Pool oder gingen am Strand spazieren. Abends entdeckten wir Scrabble für uns und ließen uns lecker bekochen. Nach dem Stadtleben in KL und Mumbai war diese Ruhe eine willkommene Abwechslung. Nach einer Woche ging es weiter nach Panaji.
Mit ihren farbenprächtigen schmalen Gassen, die sich durch das ehemalige Portugiesenviertel schlängeln, ist diese Stadt für Indien einzigartig. Die Portugiesen hinterließen auch das leckere Goa Bread, kleine Brötchen, die warm aus großen runden Behältern von jungen Männern auf Fahrrädern verkauft werden. Dazu aßen wir Oliven und tranken Rotwein auf dem Dach unseres Guesthouses.
Nachdem wir Panajis Schönheit ausgiebig genossen hatten, stiegen wir wieder in den Zug und fuhren weiter nach Hospet. Diese Teilstrecke war mit Abstand die schönste der gesamten Zugreise. Wir konnten sehr viel vom Land sehen, besonders beeindruckten uns die satten grünen Reisfelder und die geschwungenen Hügellandschaften mit ihren Wasserfällen.
Angekommen in Hospet ließen wir uns mit einer Autorickscha nach Hampi bringen. Dieser Ort ist magisch. An Hampi grenzen die Ruinen der Stadt Vijayanagar, welcher in der indischen Geschichte große Bedeutung zukommt. Deshalb wird Hampi auch von vielen Indern besucht. Nirgendwo auf unserer bisherigen Reise fühlten wir uns zufriedener und friedlicher als dort. Die Landschaft ist überwältigend. Wir verbrachten viel Zeit damit die aufeinander balancierenden riesigen Felsformationen zu betrachten und darüber zu sinnieren wie diese zustande gekommen sein könnten.
Auch in Hampi erwies sich die Entscheidung zur Zeit des Monsuns in den Süden zu reisen als außerordentlich clever. In der Highseason werden dort täglich Busladungen von Touristen angekarrt. Zu unserer Zeit sahen wir vielleicht fünfzig westliche Gesichter.
In einem Tempel direkt am Fluss lebt ein Elefant, der als Gottheit verehrt wird. Morgens und abends sahen wir dabei zu wie er von seinem Führer im Fluss gewaschen wurde, aber auch wie er sich beim Plantschen vergnügte. Wunderbar! In Hampi lernten wir auch Zane kennen, einen 21jährigen Amerikaner aus Ohio. Zane hat uns beide sehr beeindruckt. Er studierte vor seiner Indienreise sechs Monate in Jordanien die Arabische Sprache und Kultur. In Indien war er allein unterwegs und er hat ein unglaubliches Zeichentalent. Wir freuten uns riesig, als er uns Phillips Lieblingsskizze schenkte. Obwohl wir fast zwei Wochen in Hampi blieben, waren wir traurig als wir diesen Ort verließen.
Bis nach Delhi hatten wir mehrere Tagesreisen mit dem Zug vor uns. Nach der Ruhe in Hampi erschien uns das laute und schmutzige Hyderabad fast unerträglich. Wir flüchteten aus der Stadt und besichtigten ein Fort. Aus der Ferne betrachtet gefiel uns Hyderabad bedeutend besser.
Nach einem weiteren Tag im Zug erreichten wir Nagpur. In dem dunklen, muffigen Hotel erlebten wir eine freudige Überraschung. Auf einer der Etagen befand sich der Shisha Club. Es gab elektronische Musik und eine minimalistische Retroeinrichtung wie aus dem Bilderbuch. Zum Glück war Freitag und die Besitzerin erklärte uns, dass wir später mit der „indischen Clubszene“ das Tanzbein schwingen müssten. So kam es. Nach einer Dusche und etwas zu essen spielten wir zuerst mit einer Gruppe Neunzehnjähriger Billard und tanzten dann zu Bollywoodsongs bis in die Morgenstunden. Unglaublich!
Mit einem gewaltigen Kater fuhren wir weiter nach Jhansi, wo wir abends nur noch totmüde ins Bett fielen.
Unser nächster Zwischenstopp war Agrar, die Stadt in der seit dem 17. Jahrhundert der Taj Mahal steht. Aufgrund dieser Sehenswürdigkeit gab es dort wieder wesentlich angenehmere Unterkünfte. Wir schliefen in einem Guesthouse mit Dachterasse und Blick auf das überdimensionale Grab.
Ein paar Tage später kamen wir in Indiens Hauptstadt an. In Delhi stürzten wir uns zuerst auf die leckeren vegetarischen Köstlichkeiten von McDonalds. Außerdem kauften wir ein paar Kleinigkeiten für unsere Liebsten und trafen uns unvorhergesehen mit Zane. Nach einem lustigen Abendessen verabschiedeten wir uns und fuhren zum Flughafen. Dort setzten wir uns in einen Flieger Richtung Heimat. Für dreieinhalb Wochen genießen wir hier den Sommer. Nach unserer Stippvisite geht es am 12. August weiter nach London.

18 Juli 2009

delhi

14 Juli 2009

agra




jhansi

nagpur


hyderebad








07 Juli 2009

hampi hampi hampi






























02 Juli 2009

zugfahrt nach hampi




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